Stellen Sie sich vor: Sie steigen morgens aus dem Bett, gehen ins Bad - und müssen sich an einer kleinen Stufe festhalten, um in die Dusche zu kommen. Für viele Senioren, Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder sogar Eltern mit Kinderwagen ist das keine Seltenheit. Doch es gibt eine Lösung, die nicht nur sicherer, sondern auch schöner ist: die bodengleiche Dusche. Sie ist kein Luxus mehr, sondern wird immer mehr zum Standard - besonders in Deutschland, wo jeder vierte Mensch bis 2030 über 60 Jahre alt sein wird.
Warum eine bodengleiche Dusche mehr ist als nur ein modischer Trend
Eine bodengleiche Dusche ist kein bloßes Design-Feature. Sie ist eine Sicherheitsmaßnahme. Keine Stufe, kein Schwellenrand, kein Risiko, zu stolpern. Das ist der Kern. Wer schon einmal mit einem Rollstuhl, einem Gehwagen oder einfach nur müden Beinen versucht hat, über eine Duschschwelle zu kommen, weiß, wie wichtig das ist. Laut Pflege.de ermöglicht eine schwellenlose Dusche Menschen mit körperlichen Einschränkungen das selbständige Duschen - ohne Hilfe. Und das ist kein geringes Stück Selbstbestimmung. Aber es geht nicht nur um Sicherheit. Eine bodengleiche Dusche verändert den ganzen Raum. Sie verschwindet optisch. Der Bodenbelag aus Fliesen oder Stein zieht sich nahtlos vom Waschbereich bis zur Dusche - kein Sprung, kein Übergang. Das Bad wirkt größer, offener, moderner. Viele, die das nachträglich umgesetzt haben, sagen: „Ich wünschte, ich hätte es früher gemacht.“Was die Norm wirklich verlangt - und warum das wichtig ist
Seit Juli 2017 gilt in Deutschland die DIN 18534. Diese Norm hat alles verändert. Vorher war es ein Wildwuchs: Jeder Handwerker machte es so, wie er es kannte. Jetzt gibt es klare Regeln. Und die sind kein Vorschlag - sie sind Pflicht. Zum Beispiel: Die Flanschbreite um den Ablauf. Sie muss mindestens 50 Millimeter betragen. Das ist die Zone, in der die Abdichtung über die Duschrinne hinausgreift, um Wasser abzufangen. Bei öffentlichen Duschen, wie in Seniorenheimen oder Fitnessstudios, muss sie noch breiter sein. Warum? Weil Wasser nicht nur runterläuft - es spritzt, sickert, verteilt sich. Und wenn die Abdichtung nicht dicht ist, dann ist der Schaden nicht nur in der Dusche. Er ist im Untergeschoss, in der Wand, unter dem Estrich. Die Abdichtung selbst muss „im Verbund“ (AIV) erfolgen. Das bedeutet: Die Dichtungsschicht wird direkt auf den Untergrund aufgetragen, dann wird der Fliesenkleber darauf aufgebracht - und erst danach die Fliesen. Kein Zwischenraum. Keine Luft. Keine Feuchtigkeit, die sich einschleichen kann. Das ist der einzige Weg, der langfristig hält. Und die Wassereinwirkungsklasse? Für private Badezimmer gilt W2-I. Das bedeutet: Die Abdichtung muss rissüberbrückend sein. Das heißt, sie kann kleine Risse in den Fliesen oder im Untergrund mitmachen, ohne zu platzen. Mineralische Dichtungsschlämme oder Reaktionsharze sind dafür geeignet. Polymerdispersionsanstriche? Die sind nur für Wände erlaubt - nie für den Boden. Wer das vergisst, baut eine Zeitbombe.Wie rutschfest muss es sein? Die Fliesen-Regel, die jeder kennen sollte
Ein nasser Boden ist kein Problem - solange er nicht glatt ist. Aber viele Fliesen sehen zwar gut aus, sind aber gefährlich. Deshalb gibt es DIN 51097. Diese Norm prüft, wie rutschfest eine Fliese ist, wenn sie nass ist - und zwar unter Barfußbedingungen. Die Antwort: Nur Fliesen der Rutschhemmgruppe B sind erlaubt. Gruppe A? Zu glatt. Gruppe C? Zu rau, zu unangenehm unter den Füßen. Gruppe B ist der Goldstandard. Sie bietet genug Halt, ohne wie Sandpapier zu wirken. Hersteller wie Kaldewei bieten spezielle Oberflächen wie „Secure-Plus“ an - eine Technologie, die rutschhemmend ist, aber trotzdem glatt und elegant aussieht. Kein Opfer zwischen Sicherheit und Design. Und das ist kein Detail. Das ist lebenswichtig. Ein Sturz im Bad ist der häufigste Grund für Knochenbrüche bei Senioren. Und ein gebrochener Hüftknochen kann das Leben verändern - oft für immer.
Die Kosten - und warum sie nicht immer so hoch sind, wie man denkt
Ja, eine bodengleiche Dusche kostet mehr als eine normale Duschtasse. Aber wie viel mehr? Die Preise liegen zwischen 2.500 und 6.000 Euro - je nach Größe, Material, Ablaufsystem und ob es eine Neubau- oder Sanierungsmaßnahme ist. Aber hier ist der entscheidende Punkt: Die Kosten sind nicht nur für die Dusche da. Sie sind für die gesamte Installation. Das bedeutet: Wenn Ihr Bad schon renoviert wird, ist der Aufschlag oft kleiner, als man denkt. Die Dusche ist nur ein Teil. Die neue Wandverkleidung, die neue Heizung, der neue Boden - die Kosten verteilen sich. Und dann gibt es noch die langfristigen Einsparungen. Keine Wasserschäden. Keine Reparaturen nach fünf Jahren. Keine Notwendigkeit, später nochmal alles aufzureißen, weil die Abdichtung nicht standhielt. Eine gut gemachte bodengleiche Dusche hält 20, 30 Jahre - wenn sie richtig installiert wurde. Ein weiterer Vorteil: Sie erhöht den Wert Ihrer Immobilie. Immer mehr Käufer suchen nach barrierefreien Bädern - nicht nur für sich selbst, sondern auch für Eltern, Großeltern oder zukünftige Bewohner. Eine bodengleiche Dusche ist kein Ausgabenposten - sie ist eine Investition.Die größte Gefahr: Schlechte Installation
Das Problem ist nicht die Technik. Das Problem ist die Ausführung. Viele Handwerker haben jahrelang mit Duschtassen gearbeitet. Jetzt sollen sie eine bodengleiche Dusche bauen - mit komplexer Abdichtung, exakter Neigung, speziellen Materialien. Aber nicht jeder hat die Schulung dafür. Die größte Fehlerquelle? Die Neigung. Der Boden muss sich sanft zum Ablauf neigen - mindestens 1,5 bis 2 Prozent. Das sind 1,5 bis 2 Zentimeter pro Meter. Zu flach? Dann sammelt sich Wasser. Es steht, stinkt, wird schimmelig. Zu steil? Dann ist es unangenehm, darauf zu stehen - und der Ablauf läuft nicht richtig. Ein weiterer Fehler: Die Abdichtung wird nicht bis zur richtigen Höhe geführt. Sie muss mindestens 5 Zentimeter über den fertigen Boden reichen - und an den Wänden mindestens 20 Zentimeter über der Wasserentnahmestelle. Wer das ignoriert, hat bald eine feuchte Wand. Und Feuchtigkeit in der Wand ist der Anfang vom Ende. Dann gibt es noch die Anschlüsse. An der Wand, an der Duschrinne, an den Rohren - überall muss die Abdichtung nahtlos übergehen. Keine Lücken. Keine Klebefehler. Keine Kompromisse. Das ist kein Job für den „guten Handwerker nebenan“. Das ist ein Job für einen Spezialisten. Suchen Sie nach Handwerkern, die explizit mit DIN 18534 arbeiten. Fragen Sie nach Schulungen. Nach Referenzen. Nach Garantie.
Was tun, wenn Ihr Bad zu niedrig ist?
Ein häufiger Einwand: „Mein Bad hat nicht genug Aufbauhöhe.“ Das ist verständlich - besonders in Altbauten. Wenn der Estrich schon auf dem Dachboden liegt, kann man nicht einfach tiefer graben. Was dann? Es gibt Lösungen. Eine ist die flache Duschtasse - aber das ist kein echter Ersatz. Sie hat immer noch eine kleine Schwelle. Die andere Lösung: ein Pumpsystem. Ein kleiner Abwasserpumpe, der das Wasser nach oben pumpt, wenn es nicht durch Schwerkraft abfließen kann. Das ist teurer, aber machbar. Und es ist besser als eine unsichere Dusche. Ein dritter Weg: Die Dusche wird nicht komplett bodengleich, sondern nur nahezu bodengleich. Mit einer Schwelle von 1 bis 2 Zentimetern - das ist oft akzeptabel, besonders wenn es um Barrierefreiheit geht. Es ist kein perfekter Einstieg, aber ein sicherer. Und manchmal ist das die realistischere Wahl.Was kommt als Nächstes? Der Trend in die Zukunft
Die Entwicklung geht klar in eine Richtung: Bodengleiche Duschen werden Standard. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes sagt: Bis 2027 könnten sie Teil von Standard-Badpaketen sein. Das heißt: Man wählt nicht mehr „Duschtasse“ oder „bodengleich“ - man wählt einfach „Bad“ und bekommt automatisch die sichere Variante. Auch die Technik verbessert sich. Neue Drainagesysteme brauchen weniger Aufbauhöhe. Das macht sie für Sanierungen attraktiver. Und rutschhemmende Oberflächen werden immer natürlicher - sie sehen aus wie Stein, fühlen sich wie Stein an, aber sind sicherer als jedes herkömmliche Fliesenmaterial. Und dann kommt die Smart-Integration. Bald wird es Duschsysteme geben, die die Temperatur automatisch anpassen, wenn jemand hineingeht - oder die Wasserstand und Feuchtigkeit überwachen, um Schimmel vorzubeugen. Die bodengleiche Dusche ist nicht nur eine Lösung für heute - sie ist die Basis für das Bad der Zukunft.Was Sie jetzt tun können
Wenn Sie planen, Ihr Bad zu sanieren - oder wenn Sie einfach überlegen, ob eine bodengleiche Dusche für Sie sinnvoll ist: Beginnen Sie mit drei Schritten.- Prüfen Sie die Aufbauhöhe. Ist genug Platz für Ablauf und Leitungen? Wenn nicht, klären Sie mit einem Fachmann, ob ein Pumpsystem möglich ist.
- Suchen Sie einen Handwerker, der mit DIN 18534 arbeitet. Fragen Sie nach Zertifikaten, Schulungen, Referenzen. Keine vagen Versprechen - konkrete Belege.
- Wählen Sie Fliesen der Rutschhemmgruppe B. Und lassen Sie sich die Abdichtung zeigen - nicht nur das Endresultat. Die Arbeit beginnt unter der Fliese.
