Was wirklich hinter einem guten Küchenwasserfilter steckt
Ein Wasserfilter in der Küche klingt wie eine einfache Upgrade-Idee - bis du merkst, dass nicht alle Systeme das gleiche leisten. In Deutschland trinken immer mehr Menschen direkt aus dem Hahn. Doch die Qualität des Leitungswassers hängt stark von deiner Region ab. In Stuttgart, wo die Wasserhärte bei durchschnittlich 14 °dH liegt, ist Kalk kein Problem, aber Schwermetalle und Mikroplastik schon. Und genau da unterscheiden sich die Systeme.
Der GEO-Wasserfilter-Test 2025 hat gezeigt: 78% der getesteten Filter reduzieren Blei, Nickel und Arsen unter den gesetzlichen Grenzwerten. Aber das heißt nicht, dass alle gleich gut sind. Ein Tischfilter von 40 € kann Chlor entfernen - aber bei Blei bleibt oft mehr als die Hälfte übrig. Ein Unterbau-System mit 5-Stufen-Filter hingegen bringt es auf 98,5% Reduktion. Die Wahl ist keine Frage des Geschmacks, sondern der Technik.
Drei Systemtypen - drei unterschiedliche Lösungen
Es gibt drei Haupttypen von Küchenwasserfiltern, und jeder hat seine eigene Logik.
- Tischwasserfilter wie der BRITA Marella oder ZeroWater sitzen einfach auf der Arbeitsplatte. Sie brauchen keinen Anschluss, kein Bohren, keine Installation. Du füllst Wasser ein, drückst einen Knopf, und schon fließt gefiltertes Wasser. Ideal für Mieter oder wer nur gelegentlich filtert. Aber: Die Kapazität ist begrenzt - max. 2,4 Liter Rohwasser. Und die Kartuschen wechselst du alle 4 Wochen. Wer 10 Liter pro Tag braucht, kommt schnell an seine Grenzen.
- Unterbau-Systeme wie der Franke 5-Stufen-Filter oder Waterdrop WD-FC-06 verschwinden unter der Spüle. Sie arbeiten mit Druck, haben eine Durchflussrate von bis zu 3 Liter pro Minute und filtern nicht nur Kalk und Chlor, sondern auch Medikamentenrückstände, Hormone und Mikroplastikpartikel ab 5 Mikrometern. Die Filterlebensdauer liegt bei 6-12 Monaten. Aber: Du brauchst mindestens 60 x 30 cm Schrankplatz, einen Wasseranschluss mit 3/8" Gewinde und einen Profi für die Montage. Die Kosten liegen bei 1.250 € und mehr - inklusive Einbau.
- Integrierte Armaturen wie die hansgrohe Aqittura M91 oder BRITA mypure P1 sind die Premium-Lösung. Sie kombinieren Wasserhahn und Filter in einem Gerät. Du bekommst kaltes, gefiltertes, gesprudeltes und sogar mineralisiertes Wasser aus einem Auslauf. Die Filterlebensdauer beträgt bis zu 1.500 Liter (ca. 6 Monate). Der Preis? Ab 1.899 € inklusive Installation. Kein extra Schrank, kein zweiter Hahn - nur elegante Funktionalität.
Montage: Was du wirklich brauchst
Ein Tischfilter montierst du in 3 Minuten. Ein Unterbau-System? Das ist ein anderer Ballast.
Laut Installationsanleitungen von Waterdrop braucht ein erfahrener Handwerker 90 bis 120 Minuten für ein komplettes Unterbau-System. Der kritischste Schritt: der Anschluss an die Hauptwasserleitung. Bei 68% der Fehlinstallationen - das zeigt die Kundendaten von watrify.de - liegt das Problem genau hier. Wenn du nicht weißt, wie man ein T-Stück mit 3/8" Gewinde an die Leitung anschließt, solltest du dich nicht selbst versuchen. Ein falscher Anschluss führt zu Lecks, Schimmel oder sogar Wasserschäden.
Integrierte Armaturen sind noch anspruchsvoller. Du musst die alte Armatur komplett entfernen, einen Adapter einbauen, den Druck ausgleichen und das System kalibrieren. In Regionen mit hohem Kalkgehalt - wie Sachsen-Anhalt mit 22 °dH - ist ein zusätzlicher Vorfilter nötig. Das erhöht die Montagezeit um 30 Minuten und die Kosten um 80-120 €.
Die gute Nachricht: Viele Hersteller bieten Montagepakete an. Bei hansgrohe oder Franke ist die Installation oft im Preis enthalten. Frag danach. Ein Profi macht es richtig - und das lohnt sich.
Qualität: Was wirklich zählt
Ein Filter, der nur Chlor rausnimmt, ist wie ein Regenschirm ohne Dach. Du bist trocken - aber nass von oben.
Die Stiftung Warentest hat in ihrer Ausgabe 04/2025 zwei von drei getesteten integrierten Armaturen mit "mangelhaft" bewertet - nicht wegen der Filterleistung, sondern wegen Blei- und Nickelabgabe im Stagnationswasser. Das bedeutet: Wenn du morgens den Hahn aufdrehst und erstmal 1 Liter ablaufen lässt, bevor du trinkst, ist alles gut. Aber wenn du nur kurz Wasser brauchst - und das tut man meistens - dann fließt das Wasser, das im Schlauch oder im Filter zurückgeblieben ist. Und das kann Schwermetalle enthalten.
Dr. Petra Müller vom Institut für Umweltmedizin in Berlin sagt: "Die 5-Stufen-Filtertechnik von Franke entfernt 99,3% der Mikroplastikpartikel zwischen 0,5 und 5 Mikrometern. Bei 5 Litern täglich Nutzung sind das über 250.000 Partikel pro Jahr, die du nicht trinkst." Das ist kein Marketing-Geschwätz - das ist Messdaten aus einem unabhängigen Labor.
Und dann gibt es noch PFAS - die sogenannten "Ewigkeits-Chemikalien". 41% der getesteten Systeme entfernen sie nicht ausreichend. Hier helfen nur keramische Nanofilter wie der Aquaphor B203 Provence, der laut Testprotokoll 87% der Pharmaka entfernt. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, schau nach diesen Technologien.
Preise und Kosten - was du wirklich bezahlst
Ein Tischfilter kostet 35 €. Klingt günstig. Aber rechne mal nach: 12 Kartuschen im Jahr à 25 € = 300 €. Nach 5 Jahren hast du 1.500 € ausgegeben - und hast immer noch keinen Durchfluss von mehr als 1 Liter pro Minute.
Ein Unterbau-System kostet 1.250 €. Dazu kommen 300 € für die Installation. Die Kartuschen wechselst du alle 6-12 Monate - das kostet 100-150 € pro Jahr. In 5 Jahren: 1.250 + 1.500 + 750 = 3.500 €.
Die hansgrohe Aqittura M91 kostet 1.899 € inklusive Montage. Der Filterwechsel nach 6 Monaten: 129 €. In 5 Jahren: 1.899 + 1.290 = 3.189 €.
Die Rechnung ist klar: Wer langfristig sparen will, investiert früher. Wer nur kurzfristig filtert, zahlt dauerhaft mehr. Und wer auf Qualität setzt, zahlt für Sicherheit - nicht für Design.
Was die Zukunft bringt
Ab Januar 2026 gilt in Deutschland die neue EU-Trinkwasserrichtlinie: Der Bleigrenzwert sinkt von 10 auf 5 μg/l. Das bedeutet: 61% der bestehenden Hausinstallationen entsprechen nicht mehr dem Standard. Wer jetzt nicht nachrüstet, könnte später gezwungen sein - und dann zu einem höheren Preis.
Die Innovationen kommen schnell. Der TAPP Water EcoPro sendet dir per App eine Nachricht, wenn die Kartusche leer ist - und bestellt sie automatisch nach. Die hansgrohe Aqittura M91 erhielt im Januar 2026 ein Software-Update, das die Filterlebensdauer um 15% erhöht. Und der Franke 5-Stufen-Filter stabilisiert jetzt gezielt Mineralien wie Calcium und Magnesium - nicht nur, um Kalk zu vermeiden, sondern um das Wasser gesünder zu machen.
Die Zukunft der Küche ist nicht mehr nur über Kochen und Spülen definiert. Sie ist über Wasser. Über sauberes, sicheres, intelligentes Wasser. Und wer heute investiert, spart morgen Zeit, Geld und Nerven.
Was du jetzt tun solltest
Wenn du deine Küche renovierst - oder planst - dann denk nicht nur an die Optik. Denk an den Hahn.
- Wenn du mietest oder nur kurz bleiben willst: Ein Tischfilter reicht. Aber wechsle die Kartuschen regelmäßig - und lass das Wasser vor dem Trinken kurz laufen.
- Wenn du mittel- bis langfristig bleibst und 500-1.000 € investieren kannst: Ein Unterbau-System mit 5-Stufen-Filter ist die beste Balance aus Leistung, Preis und Lebensdauer.
- Wenn du Premium willst und Wert auf Komfort legst: Eine integrierte Armatur. Sie ist teuer, aber elegant, praktisch und zukunftssicher.
Und vergiss nicht: In Regionen mit hartem Wasser (über 16 °dH) brauchst du einen Vorfilter. Frag deinen Installateur danach. Und prüfe immer, ob das System den neuen Bleigrenzwert von 5 μg/l erfüllt - nicht nur den alten von 10 μg/l.
Wasser ist das wichtigste Lebensmittel in deiner Küche. Behandle es nicht wie eine Nachrüstung. Behandle es wie eine Investition - in deine Gesundheit, deine Sicherheit und deine Zukunft.
