image
Wärmeschutznachweis und Energieberatung bei Sanierungen: Was Sie 2026 wissen müssen
  • Von Lukas Winkler
  • 21/02/26
  • 0

Beim Sanieren eines alten Hauses geht es nicht nur um neue Fenster oder eine bessere Dämmung. Wer in Deutschland ein Haus sanieren will, muss sich mit einem Dokument auseinandersetzen, das viele Bauherren überrascht: dem Wärmeschutznachweis. Er ist kein optionaler Bericht, sondern eine gesetzliche Pflicht. Und er entscheidet darüber, ob Ihre Sanierung genehmigt wird - und ob Sie Fördergelder bekommen. Viele Bauherren denken, der Energieausweis reicht aus. Das ist ein fataler Irrtum. Der Wärmeschutznachweis ist etwas ganz anderes. Und er ist entscheidend für Ihre Kosten, Ihre Förderung und die Zukunft Ihres Hauses.

Was ist der Wärmeschutznachweis wirklich?

Der Wärmeschutznachweis ist kein Flyer, den Sie nach der Sanierung in die Schublade stecken. Er ist ein detaillierter, rechnerischer Nachweis, dass Ihr Gebäude die gesetzlichen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) erfüllt. Das GEG gilt seit 2020 und hat die alte EnEV abgelöst. Es verlangt klare Werte für Wärmedämmung, Luftdichtheit und Primärenergiebedarf. Diese Werte werden mit speziellen Softwaretools berechnet - nicht geschätzt, nicht grob abgeschätzt, sondern mit mathematischen Modellen, die die gesamte Gebäudehülle durchrechnen: Wände, Dach, Fenster, Türen, sogar Wärmebrücken.

Erst wenn diese Berechnungen zeigen, dass Ihr Gebäude die Grenzwerte einhält, bekommen Sie die Baugenehmigung. Das gilt für jeden größeren Sanierungsschritt: Dachausbau, Fassadendämmung, Fensterwechsel, sogar wenn Sie eine neue Heizung einbauen und dabei die Dämmung verbessern. Der Nachweis wird während der Planung erstellt - nicht danach. Wer das vergisst, baut auf Sand.

Im Vergleich zum Energieausweis ist der Unterschied klar: Der Energieausweis sagt Ihnen, wie viel Energie Ihr Haus im Durchschnitt verbraucht - zum Beispiel, wenn Sie es verkaufen. Der Wärmeschutznachweis sagt: Wird dieses Haus nach der Sanierung gesetzlich konform sein? Er ist der Schlüssel zur Genehmigung. Der Energieausweis ist nur eine Info. Der Wärmeschutznachweis ist eine Voraussetzung.

Was genau wird berechnet?

Der Wärmeschutznachweis ist kein einfaches Formular. Er basiert auf der Norm DIN 18599 und berücksichtigt mehr als nur die Dämmstärke. Hier sind die fünf Kernpunkte, die in jedem Nachweis enthalten sein müssen:

  • Transmissionswärmeverluste: Wie viel Wärme entweicht durch Wände, Dach und Fenster? Die U-Werte (Wärmedurchgangskoeffizienten) müssen unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen. Für Außenwände liegt der Grenzwert 2026 bei 0,20 W/(m²K) - das ist deutlich strenger als vor zehn Jahren.
  • Primärenergiebedarf: Wie viel Energie wird insgesamt benötigt, um das Haus zu heizen, zu kühlen und für Warmwasser zu sorgen? Dabei wird nicht nur der Stromverbrauch gezählt, sondern auch die Art der Energie: Gas, Öl, Strom aus dem Netz, Holzpellets. Jede Energiequelle hat einen Faktor, der ihre Umweltbelastung berücksichtigt. Gas hat 2026 einen Faktor von 1,3 - das ist ein Anstieg von 1,1 aus 2023 und macht Gasheizungen teurer in der Berechnung.
  • Sommerlicher Wärmeschutz: Auch im Sommer darf das Haus nicht überhitzen. Dafür werden Fensterflächen, Sonneneinstrahlung und Lüftungsmöglichkeiten berechnet. Ein Haus, das im Winter warm ist, aber im Sommer wie ein Ofen, erfüllt nicht die Vorgaben.
  • Luftdichtheit: Ein Haus darf nicht „atmen“ wie ein Sieb. Der Luftwechsel muss unter 1,5 h⁻¹ liegen. Das wird mit einem Blower-Door-Test gemessen - ein Luftstrom wird ins Haus geblasen, und Messgeräte zeigen, wo und wie viel Luft entweicht.
  • Wärmebrücken: Diese unsichtbaren Schwachstellen an Übergängen - wie wo Wand auf Fensterbank trifft - lassen Wärme gezielt entweichen. Sie müssen identifiziert und berechnet werden. In 31 % aller Nachweise müssen diese nachträglich korrigiert werden.

Diese Berechnungen werden mit speziellen Programmen gemacht: PHPP, HTB2 oder ArGIS. Kein Energieberater, der das nicht beherrscht, darf einen gültigen Nachweis erstellen. Und nur ein zertifizierter Berater - also jemand, der von der BAFA oder der KfW anerkannt ist - kann den Nachweis offiziell unterschreiben.

Querschnitt eines Hauses mit sichtbaren Wärmebrücken und Wärmeverlusten, visualisiert durch farbige Pfeile und digitale Messwerte.

Wie viel kostet ein Wärmeschutznachweis?

Die Kosten variieren stark. Für ein einfaches Einfamilienhaus liegen sie zwischen 750 und 1.500 Euro. Bei größeren Gebäuden - Zweifamilienhäuser, kleine Mehrfamilienhäuser - können es bis zu 2.500 Euro sein. Was kostet das? Die Antwort ist: viel weniger als eine falsche Sanierung.

Warum? Weil der Nachweis die Grundlage für Förderung ist. Ohne ihn bekommen Sie keine KfW-Förderung. Und die ist massiv: Wer die Anforderungen des GEG erfüllt, kann bis zu 25 % mehr Förderung bekommen - also statt 15 % bis zu 20 % Zuschuss. Ein Beispiel: Ein Bauherr aus München ließ sein Haus sanieren. Der Wärmeschutznachweis zeigte, dass er die Effizienzstufe 55 erreicht. Das brachte ihm 12.500 Euro mehr KfW-Förderung als er erwartet hatte. Die Kosten für den Nachweis von 1.200 Euro waren damit in 3 Monaten zurückverdient.

Was Sie nicht bezahlen dürfen: Ein Berater, der Ihnen sagt, er „kann das auch ohne Nachweis machen“. Das ist illegal. Und wenn die Bauaufsicht es später merkt, müssen Sie die Sanierung rückgängig machen - oder Strafen zahlen. Das kostet mehr als 10.000 Euro.

Was ist Energieberatung dabei?

Der Wärmeschutznachweis ist ein Dokument. Die Energieberatung ist der Prozess, der dahintersteht. Sie ist der Wegweiser. Ein guter Energieberater kommt nicht nur mit einem Laptop. Er prüft Ihr Haus vor Ort: Wie ist die Dämmung? Wo sind Wärmebrücken? Wie alt sind die Fenster? Welche Heizung haben Sie? Er analysiert, was sinnvoll ist - nicht was am teuersten ist.

Er sagt Ihnen: „Wenn Sie nur die Fassade dämmen, aber die Fenster lassen, erreichen Sie nur 60 % der möglichen Einsparung.“ Oder: „Ihre Heizung ist noch in Ordnung, aber die Umstellung auf eine Wärmepumpe mit Solarthermie bringt Sie auf KfW-Effizienzstufe 40.“

Die besten Berater arbeiten mit Ihnen zusammen - nicht für Sie. Sie zeigen Ihnen, wie Sie Förderanträge ausfüllen, welche Unterlagen Sie brauchen, wie Sie den Blower-Door-Test vorbereiten. Sie verhindern, dass Sie auf falsche Versprechen von Handwerkern hereinfallen. Und sie helfen Ihnen, nicht nur gesetzlich konform zu sein - sondern wirtschaftlich klug.

2026 gibt es in Deutschland über 15.000 zertifizierte Energieberater. Aber nicht alle sind gleich. Suchen Sie nach Beratern mit BAFA-Zulassung. Fragen Sie nach Erfahrung mit Gebäuden wie Ihrem. Und lassen Sie sich einen konkreten Ablaufplan geben: Wie lange dauert die Berechnung? Wann kommt der erste Entwurf? Wie viele Änderungen sind möglich?

Digitaler Zwilling eines Hauses mit energetischen Datenströmen, der über dem echten Gebäude schwebt und die Genehmigung anzeigt.

Was ändert sich 2026?

Die Regeln werden immer strenger. Ab 2024 stieg der Primärenergiefaktor für Gas von 1,1 auf 1,3. Das bedeutet: Gasheizungen werden in der Berechnung viel schlechter bewertet. Wer 2026 noch eine neue Gasheizung einbaut, muss viel mehr dämmen, um den Nachweis zu bestehen. Das macht Gas für viele Sanierungen unpraktisch.

Neu ist auch die Digitalisierung. Seit Ende 2023 können Sie den Wärmeschutznachweis in 14 von 16 Bundesländern digital einreichen. Kein Papier mehr. Kein Postweg. Das beschleunigt die Genehmigung. In Hamburg ist das seit 2023 Standard. Sie laden die Datei hoch - und die Behörde prüft sie automatisch. Das spart Zeit, aber auch Fehler.

Langfristig soll der Wärmeschutznachweis in einen „digitalen Zwilling“ Ihres Hauses integriert werden - eine digitale Kopie, die alle energetischen Daten speichert. Das ist noch Zukunftsmusik. Aber es zeigt: Der Nachweis wird nicht verschwinden. Er wird noch wichtiger.

Was können Sie tun?

Wenn Sie planen, Ihr Haus zu sanieren, dann handeln Sie so:

  1. Suchen Sie sich einen zertifizierten Energieberater - nicht den billigsten, sondern den mit Erfahrung in Sanierungen wie Ihrer.
  2. Planen Sie früh: Der Nachweis braucht 10-15 Arbeitstage. Wenn Sie ihn erst am Ende der Planung einholen, verzögern Sie das ganze Projekt.
  3. Verstehen Sie die Zahlen: Lassen Sie sich den Nachweis erklären. Warum ist der Wert so? Was passiert, wenn Sie ein anderes Fenster nehmen?
  4. Verknüpfen Sie ihn mit der Förderung: Fragt der Berater nach KfW- oder BAFA-Programmen? Wenn nein, wechseln Sie den Berater.
  5. Vermeiden Sie Eigenleistungen bei der Dokumentation: Kein „Ich mach das mal schnell selbst“. Das führt zu Fehlern, die später teuer werden.

Ein Wärmeschutznachweis ist kein Hindernis. Er ist Ihre Versicherung. Er schützt Sie vor teuren Fehlern. Er sichert Ihre Förderung. Und er macht Ihr Haus nicht nur gesetzlich konform - sondern wohnlich, sparsam und wertvoll für die Zukunft.

Kostenexplosion bei Renovierungen: So vermeiden Sie Überraschungen und halten die Ausgaben unter Kontrolle
Nachhaltige Baustoffwahl: Treibhausgasemissionen bei Sanierungsprojekten reduzieren
Wärmeschutznachweis und Energieberatung bei Sanierungen: Was Sie 2026 wissen müssen
Lukas Winkler

Autor

Ich arbeite als Tischler und liebe es, Möbel und andere Holzarbeiten zu gestalten. Meine Leidenschaft gilt der Perfektion von Details und dem kreativen Einsatz von Materialien. Neben meiner praktischen Arbeit schreibe ich gerne über Heimwerkerprojekte und gebe Tipps und Anleitungen, um anderen dabei zu helfen, ihre Wohnräume zu verschönern. Ich finde es erfüllend, meine handwerklichen Erfahrungen mit anderen zu teilen und sie zu inspirieren.