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Lacke auf Wasserbasis vs. Lösemittel: Umwelt und Gesundheit im Vergleich
  • Von Jana Müller
  • 2/01/26
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Stellen Sie sich vor, Sie streichen Ihr Kinderzimmer. Der Lack riecht stark, die Luft fühlt sich dick an, und Sie fragen sich: Ist das sicher? Oder nehmen Sie einen Lack, der fast keinen Geruch hat, und fragen sich, ob er überhaupt hält. Diese Entscheidung zwischen wasserbasierten Lacken und lösemittelhaltigen Lacken beeinflusst nicht nur Ihre Gesundheit, sondern auch die Luft in Ihrer Wohnung, die Umwelt und sogar Ihre Arbeitszeit. Es ist keine Frage von „gut“ oder „schlecht“ - es geht um die richtige Wahl für den richtigen Ort.

Was unterscheidet Wasserlacke von Lösemittellacken?

Wasserbasierte Lacke nutzen Wasser als Hauptverdünnungsmittel - bis zu 80 Prozent davon. Der Rest besteht aus Harzen, Pigmenten und Hilfsstoffen. Wenn Sie diesen Lack auftragen, verdunstet das Wasser, und die Harze verbinden sich zu einer festen Schicht. Keine giftigen Dämpfe, keine starken Gerüche - zumindest nicht wie bei den Alternativen.

Lösemittelhaltige Lacke dagegen arbeiten mit Chemikalien wie Aceton, Xylol oder Mineralöl. Diese Lösungsmittel verdunsten langsam und lassen den Lack aushärten. Sie sind aggressiver, stärker riechend und hinterlassen Spuren in der Luft. Früher waren sie Standard - heute sind sie die Ausnahme, außer bei speziellen Anwendungen.

Die technische Entwicklung hat sich stark verändert. In den 1970er Jahren begann die Wende mit dem US-amerikanischen Clean Air Act. In Europa folgte die EU-Richtlinie 2004/42/EG, die VOC-Emissionen schrittweise begrenzte. Heute sind wasserbasierte Lacke in der Mehrheit - besonders in Innenräumen.

Wie schädlich sind die Emissionen wirklich?

Die Zahl sagt mehr als tausend Worte: Ein lösemittelhaltiger Lack kann bis zu 500 Gramm flüchtige organische Verbindungen (VOC) pro Liter emittieren. Ein wasserbasierter Lack? Meist zwischen 30 und 50 Gramm. Das ist bis zu 80 Prozent weniger.

VOCs sind nicht nur unangenehm riechend - sie sind gesundheitsschädlich. Langfristige Exposition kann Kopfschmerzen, Schwindel, Atembeschwerden und sogar neurologische Probleme verursachen. Besonders gefährlich sind aromatische Kohlenwasserstoffe wie Benzol oder Toluol, die in alten Lösemittellacken enthalten waren. Heutige Produkte enthalten weniger davon, aber noch immer mehr als Wasserlacke.

Die DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) bestätigt in ihren Unterlagen, dass wasserbasierte Lacke bis zu 70 Prozent weniger gesundheitsschädlich sind. Das ist kein theoretisches Argument - das ist ein praktischer Vorteil für Handwerker und Familien gleichermaßen. Wer in einem Haus lebt, in dem Kinder, ältere Menschen oder Allergiker wohnen, sollte das nicht ignorieren.

Warum sind Wasserlacke besser für die Umwelt?

Lösemittelhaltige Lacke sind Sondermüll. Sie dürfen nicht einfach in den Hausmüll, nicht in die Kanalisation, nicht auf den Kompost. Sie müssen als gefährlicher Abfall entsorgt werden - teuer, aufwendig, mit Risiko.

Wasserbasierte Lacke hingegen sind kein Sondermüll. Wenn der Eimer leer ist, kann er mit Wasser ausgespült werden. Der Rest wird mit dem normalen Hausmüll entsorgt - vorausgesetzt, er ist nicht mit anderen Chemikalien verunreinigt. Das reduziert nicht nur den Müll, sondern auch die Belastung von Boden und Grundwasser.

Die EU hat die Grenzwerte für VOC in Wand- und Deckenlacken von 400 g/l im Jahr 2007 auf 130 g/l gesenkt. Bis 2030 soll dieser Wert auf 50 g/l sinken. Das bedeutet: Lösemittelhaltige Lacke werden zunehmend unzulässig - nicht wegen einer Modeerscheinung, sondern wegen rechtlicher Vorgaben. Wer heute neu baut oder saniert, muss sich an diese Regeln halten - besonders bei DGNB-Zertifizierungen für nachhaltige Gebäude.

Zwei Farbeimer im Vergleich: Wasserbasis mit Blättern und Wassertröpfchen, Lösemittel mit grauem Rauch und Warnsymbolen.

Welche Lacke eignen sich für welchen Einsatz?

Hier ist der entscheidende Punkt: Wasserlacke sind nicht überall besser - aber sie sind überall sicherer.

Im Innenbereich - Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer, Kinderzimmer - sind wasserbasierte Lacke die klare Wahl. Sie riechen kaum, trocknen schnell (2-4 Stunden), und die Reinigung der Pinsel geht mit Wasser. Die Remmers GmbH zertifiziert ihre wasserbasierten Produkte sogar nach DIN EN 71-3 - das bedeutet: sie sind schweiß- und speichelbeständig. Ideal für Spielzeug, Kinderzimmermöbel, Bettgestelle.

Außenbereiche sind komplexer. Holzterrassen, Fassaden, Metalltüren - hier setzen Profis noch oft lösemittelhaltige Lacke ein. Warum? Weil sie besser haften, besonders auf schwer zu beschichtenden Oberflächen wie altem Holz mit Harzausblühungen. Sie sind widerstandsfähiger gegen extreme Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit. Wasserlacke können bei Temperaturen unter 10°C oder über 30°C Probleme haben - sie trocknen ungleichmäßig oder blättern ab.

Aber auch hier ändert sich etwas. Moderne wasserbasierte Außenlacke von Herstellern wie Caparol oder Sikkens erreichen heute fast die gleiche Haltbarkeit wie ihre lösemittelhaltigen Pendants. Die Technik hat aufgeholt. Die Entscheidung wird immer weniger von der Technik, sondern von der Umweltverträglichkeit bestimmt.

Praktische Tipps: Was Sie beim Lackieren beachten sollten

Wenn Sie selbst lackieren:

  • Wählen Sie Wasserlacke für alle Innenräume - besonders bei Kindern, Schwangeren oder Allergikern.
  • Lesen Sie die Sicherheitsdatenblätter: Suchen Sie nach „VOC“ und „Aromaten“. Ein Produkt mit weniger als 50 g/l VOC ist ideal.
  • Verwenden Sie keine Lösemittel zum Reinigen von Wasserlacken - das schadet den Pinseln und bringt Chemie zurück in Ihre Wohnung.
  • Bei Holz mit Harzaustritt: Prüfen Sie, ob der Lackhersteller eine spezielle Grundierung empfiehlt. Manche Wasserlacke brauchen eine vorherige Behandlung mit Alkohol oder speziellen Primer.
  • Achten Sie auf die Umgebungstemperatur. Wasserlacke brauchen mindestens 10°C und eine Luftfeuchtigkeit unter 80 Prozent.
  • Belüften Sie den Raum auch nach dem Lackieren - auch bei Wasserlacken. Die Luft muss trocknen, sonst bleibt Feuchtigkeit in den Wänden.
Handwerker streicht Fassade mit wasserbasiertem Lack, digitaler Display zeigt EU-Grenzwerte, nachhaltige Stadt im Hintergrund.

Was sagt der Markt - und wohin geht die Entwicklung?

Statista zeigt: 2010 waren in Deutschland nur 35 Prozent der Bauwerkslacke wasserbasiert. 2022 waren es 68 Prozent. Der Anteil lösemittelhaltiger Lacke ist von 65 auf 32 Prozent gesunken. Das ist kein Zufall. Es ist die Folge von Gesetzen, Kundenwunsch und technischem Fortschritt.

Die großen Hersteller wie Caparol, Sikkens oder Dulux haben ihre Produktlinien komplett umgestellt. Sie forschen an neuen Harzen, die auch ohne Lösungsmittel hohe Härte und Haftung bieten. Einige Produkte enthalten jetzt sogar pflanzliche Rohstoffe - ein weiterer Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft.

Lösemittelhaltige Lacke werden nicht verschwinden - aber sie werden immer spezialisierter. Sie bleiben im professionellen Bereich für extrem belastete Flächen: Industrieböden, Schiffsrümpfe, Maschinengehäuse. Für die meisten privaten Anwendungen sind sie überflüssig - und oft verboten.

Was kommt als Nächstes?

Die Zukunft ist nicht „Wasser oder Lösungsmittel“. Die Zukunft ist „besser“. Bessere Formulierungen. Bessere Haftung. Bessere Umweltbilanz. Bessere Gesundheit.

Hersteller arbeiten an Hybridlösungen: wasserbasierte Systeme mit geringen Anteilen an umweltfreundlichen Lösungsmitteln, die die Vorteile beider Technologien vereinen - ohne die Nachteile. Diese Produkte werden bald Standard sein.

Und Sie? Sie haben die Wahl. Jedes Mal, wenn Sie einen Lack kaufen, entscheiden Sie: Will ich Gesundheit oder nur Haltbarkeit? Will ich Umwelt oder nur Preis? Die Antwort liegt nicht in der Technik - sie liegt in Ihnen.

Lacke auf Wasserbasis vs. Lösemittel: Umwelt und Gesundheit im Vergleich
Jana Müller

Autor

Ich bin eine talentierte Tischlerin und liebe es, über Themen rund um Heimwerkerprojekte zu schreiben. Meine Arbeit umfasst die Gestaltung und Herstellung einzigartiger Möbelstücke, die sowohl funktional als auch ästhetisch ansprechend sind. Ich freue mich darauf, Menschen zu inspirieren und ihnen zu helfen, ihre Wohnräume zu verschönern.