Stellen Sie sich vor: Sie wollen Ihr Zuhause barrierefrei machen - aber das Budget reicht nicht für eine komplette Sanierung. Die gute Nachricht: Sie müssen nicht alles auf einmal tun. Mit einem Umbau in Etappen können Sie Schritt für Schritt mehr Sicherheit, Komfort und Barrierefreiheit schaffen - ohne finanziell überfordert zu sein. Der Trick? Nicht alles gleichzeitig, sondern das Richtige zuerst.
Warum Etappen statt alles auf einmal?
Viele denken: Wenn ich schon renoviere, dann gleich richtig. Doch die Realität sieht anders aus. Die Deutsche Bundesbank sagt: 63 % der deutschen Haushalte haben keine finanziellen Reserven von mehr als 10.000 Euro. Ein vollständiger barrierefreier Umbau kostet aber oft 30.000 bis 60.000 Euro - je nach Hausgröße und Umfang. Da bleibt nur eine Option: teilen. Ein Umbau in Etappen bedeutet: Sie unterteilen das große Ziel in kleinere, bezahlbare Phasen. Das ist nicht nur eine Frage des Geldes. Es ist auch eine Frage der Logik. Baugenehmigungen brauchen Zeit, Lieferzeiten für spezielle Materialien können Monate betragen, und Handwerker sind oft ausgebucht. Wer alles auf einmal macht, läuft Gefahr, monatelang in einer Baustelle zu leben - ohne Ergebnis. Die Schweizer Versicherung Mobiliar hat es klar formuliert: Ein Umbau läuft in fünf Phasen ab - Grobplanung, Baueingabe, Detailplanung, Ausführung, Übergabe. Bei Etappenplanung ist die erste Phase besonders wichtig: Was ist wirklich nötig? Was kann warten? Und was bringt den größten Gewinn für wenig Geld?Die drei Prioritäten beim barrierefreien Umbau
Nicht jede Maßnahme ist gleich wichtig. Wenn Sie barrierefrei sanieren, müssen Sie Prioritäten setzen. Drei Regeln helfen Ihnen, den richtigen Weg zu finden. 1. Sicherheit und Gesetze kommen zuerst. Jeder Umbau muss den Anforderungen der Barrierefreiheit nach DIN 18040 entsprechen. Das bedeutet: Fließende Übergänge zwischen Räumen, keine Stufen, breite Türen, rutschfeste Böden. Doch nicht alles muss sofort passieren. Priorisieren Sie, was lebenswichtig ist: Der Eingang, das Badezimmer, der Flur. Ein Sturz im Bad ist kein Risiko - es ist ein Notfall. Deshalb: Bevor Sie die Wohnzimmerdecke streichen, sorgen Sie dafür, dass das Bad sicher ist. 2. Nutzen Sie die Räume, die täglich gebraucht werden. Die Küche und das Badezimmer sind die meistgenutzten Räume im Haus. Wer dort nicht mehr selbstständig duschen, waschen oder kochen kann, verliert schnell Selbstständigkeit. Deshalb: Diese Räume sind Ihre erste Etappe. Und glücklicherweise: Kleine Umbauten in Küche und Bad benötigen oft keine Baugenehmigung. Sie können sie direkt starten - ohne lange Wartezeiten. 3. Schnittstellen nicht vergessen. Elektrik, Wasser, Abwasser - diese Leitungen laufen durch fast alle Räume. Wenn Sie sie in Etappe 1 nicht komplett erneuern, müssen Sie sie später wieder aufbrechen. Das kostet doppelt. Planen Sie deshalb: Wenn Sie das Badezimmer umbauen, tauschen Sie gleich die gesamte Wasserleitung im Flur aus. Wenn Sie die Heizung erneuern, legen Sie die Kabel für spätere Lifte oder Lichtschalter bereits mit. Denken Sie voraus - auch wenn Sie später nur einen Teil umsetzen.Schnellgewinne: Was bringt sofort Ergebnisse?
Ein Umbau in Etappen braucht Motivation. Wenn Sie sechs Monate warten, bis die neue Dusche steht, wird die Motivation schwinden. Deshalb brauchen Sie Schnellgewinne - kleine, sichtbare Erfolge, die schnell etwas verändern. Hier sind die vier wirksamsten:- Malerei und Oberflächen: Eine neue Farbe an Wänden oder Decken kostet 15-20 Euro pro Quadratmeter. Sie verändert den Raum komplett - und das in zwei Tagen. Farbe macht den Unterschied: Hellere Wände wirken größer, weniger bedrohlich. Das ist besonders wichtig für Menschen mit Sehbehinderungen.
- Armaturen und Sanitär: Eine neue Duschbrause mit Halterung, eine höhere Toilette mit Armlehnen, ein leicht bedienbarer Waschbeckenhahn - das kostet zwischen 500 und 2.000 Euro pro Raum. Und sofort spüren Sie den Unterschied. Kein mehr Bücken, kein mehr Ziehen, kein mehr Rutschen.
- LED-Beleuchtung: Ein Haus mit schlechter Beleuchtung ist eine Sturzgefahr. LED-Lampen kosten zwischen 200 und 500 Euro für ein Einfamilienhaus - und sparen bis zu 80 % Energie. Installieren Sie Lichtschalter in jeder Türöffnung, Nachtlichter im Flur, dimmbare Lampen im Bad. Das ist kein Luxus - das ist Sicherheit.
- Oberflächen statt Neubau: Brauchen Sie neue Fußböden? Dann überlegen Sie: Muss es wirklich neues Parkett sein? Eine professionelle Beschichtung (z. B. mit Acryl oder Epoxidharz) kostet bis zu 60 % weniger als eine komplette Neuverlegung. Und sie macht alte Fliesen rutschfest - genau das, was bei Barrierefreiheit zählt.
Was kostet ein Etappenumbau wirklich?
Ja, es ist teurer. Das sagt 4waende.de klar: „Grundsätzlich ist es in der Summe teurer, phasenweise zu bauen.“ Warum? Weil Handwerker mehrfach anfahren, Materialien teurer werden, Sicherungsmaßnahmen nötig sind, und Baustellen länger liegen. Branchenanalysen zeigen: Etappenumbauten kosten 15-20 % mehr als ein Durchgangsprojekt. Aber: Das ist nicht der ganze Preis. Denken Sie an die Alternativen. Wenn Sie sich nicht leisten können, barrierefrei zu sanieren, dann bleibt Ihnen nur: weiterhin stolpern, Hilfe brauchen, Ihre Unabhängigkeit verlieren. Das hat einen Preis - emotional, physisch, sozial. Ein Beispiel: Eine Familie in Köln wollte ihr Bad barrierefrei machen. Sie hatten 8.000 Euro zur Verfügung. Sie konnten nicht 20.000 Euro aufbringen. Sie begannen mit: neuen Bodenbelag (rutschfest, 1.800 €), Duschwand mit Sitzbank (3.200 €), neuen Armaturen (1.500 €), LED-Beleuchtung (400 €). Total: 6.900 €. Die restlichen 1.100 € legten sie für die nächste Etappe - den Flurumbau - zurück. Zwei Jahre später machten sie den Eingang barrierefrei. Gesamtkosten: 14.000 €. Hätten sie alles auf einmal gemacht? 22.000 €. Sie sparten 8.000 € - und hatten gleichzeitig mehr Kontrolle, weniger Stress, und konnten jede Phase genießen.Was schiefgehen kann - und wie Sie es vermeiden
Es gibt drei häufige Fehler, die Etappenumbauten teuer und frustrierend machen. Fehler 1: Zu viele Etappen. Wenn Sie jede Wand einzeln streichen, jedes Fenster separat austauschen, jeden Boden einzeln wechseln, wird es chaotisch. Die Architektenkammer Deutschland warnt: „Zu viele Etappen führen zu inkompatiblen Lösungen.“ Stellen Sie sich vor: In Etappe 1 bauen Sie eine Tür breiter - aber in Etappe 2 ändern Sie die Wandposition. Jetzt passt die Tür nicht mehr. Lösung: Planen Sie mindestens drei Etappen - nicht zehn. Jede Etappe sollte ein vollständiges System abdecken: z. B. „Badezimmer inkl. Wasser und Elektro“. Fehler 2: Materialien nicht früh genug bestellen. Spezielle Duschwannen, barrierefreie Fenster, rollstuhlgerechte Küchenfronten - die Lieferzeiten betragen oft 8-16 Wochen. Wenn Sie die Bestellung erst machen, wenn die alte Dusche raus ist, warten Sie drei Monate. Nutzen Sie die Planungsphase: Sobald Sie wissen, was Sie brauchen, bestellen Sie. Selbst wenn die Baustelle noch nicht startet. Fehler 3: Keine Dokumentation. Der Deutsche Mieterbund warnt: „Häufung von Etappenumbauten führt zu mehr Baumängeln, weil Schnittstellen unzureichend dokumentiert werden.“ Wer hat was gemacht? Wo liegen die Leitungen? Was wurde geändert? Ohne Fotos, Pläne, Rechnungen - verlieren Sie den Überblick. Und wenn später ein Handwerker kommt, der nichts weiß, kostet das Zeit und Geld. Lösung: Legen Sie eine digitale Datei an - mit Bildern, Namen der Handwerker, Rechnungsnummern, Datum. Sie brauchen das nicht nur für sich - Sie brauchen es, wenn Sie später verkaufen.
Wie Sie starten - ein praktischer Plan
Sie wollen loslegen? Hier ist ein einfacher 5-Schritte-Plan:- Erstellen Sie eine Liste aller notwendigen Maßnahmen. Schreiben Sie auf: Was ist heute gefährlich? Was macht Ihnen Mühe? Was würden Sie gerne ändern?
- Sortieren Sie nach Priorität. Nutzen Sie die drei Regeln: Sicherheit > Nutzung > Schnittstellen.
- Wählen Sie die erste Etappe - mit Schnellgewinn. Starten Sie mit etwas, das unter 3.000 Euro kostet und in 2-3 Wochen fertig ist. Zum Beispiel: Badezimmerarmaturen + rutschfester Boden + LED-Licht.
- Planen Sie die nächste Etappe während der ersten. Während die neue Dusche eingebaut wird, recherchieren Sie schon die nächste Maßnahme: Flur, Eingang, Küche? Sammeln Sie Angebote. Fragen Sie Handwerker nach Lieferzeiten.
- Fördern Sie sich. Seit Januar 2025 gibt es „Baukindergeld Plus“ - und es gilt auch für Etappenumbauten. Sie können bis zu 120.000 Euro Förderung pro Wohnung beantragen. Prüfen Sie, ob Sie Anspruch haben. Die Verbraucherzentrale hilft kostenlos dabei.
Was kommt danach?
Ein Etappenumbau ist kein Endpunkt - er ist ein Prozess. Nach der ersten Etappe wird es leichter. Sie haben Erfahrung. Sie wissen, wie lange Lieferzeiten dauern. Sie haben ein System. Und Sie haben einen Erfolg - den Sie sehen, fühlen, nutzen. Viele, die mit einem kleinen Schritt beginnen, machen später den nächsten - und den nächsten. Ein Jahr später haben sie das Bad, zwei Jahre später den Flur, drei Jahre später den Eingang. Und plötzlich ist das ganze Haus barrierefrei - ohne dass sie jemals 20.000 Euro auf einmal aufbringen mussten. Die Zukunft der Sanierung ist nicht mehr: „Alles auf einmal oder gar nicht.“ Die Zukunft ist: „Schritt für Schritt - und mit klarem Ziel.“Kann ich einen barrierefreien Umbau in Etappen auch mit Fördergeldern finanzieren?
Ja. Seit Januar 2025 gilt das „Baukindergeld Plus“ auch für Etappenumbauten, solange die Gesamtkosten der Sanierung unter 120.000 Euro liegen. Sie können die Förderung pro Etappe separat beantragen - wichtig ist nur, dass alle Arbeiten im selben Gebäude erfolgen und die Barrierefreiheit als Hauptziel genannt wird. Die Förderung wird nicht als Darlehen, sondern als Zuschuss ausgezahlt. Sie müssen den Antrag vor Beginn der ersten Etappe stellen und alle Rechnungen und Pläne vorlegen. Die Verbraucherzentrale bietet kostenlose Beratung dazu an.
Welche Räume sollte ich zuerst barrierefrei machen?
Starten Sie mit dem Badezimmer. Es ist der gefährlichste Raum im Haus - und der am häufigsten genutzte. Danach folgt der Eingangsbereich, denn ohne sicheren Zugang ist kein anderer Umbau sinnvoll. Die Küche kommt danach, da sie täglich benötigt wird. Wohn- und Schlafzimmer können später kommen, wenn die grundlegenden Sicherheitsanforderungen erfüllt sind. Priorisieren Sie nicht nach Schönheit, sondern nach Risiko und Nutzung.
Brauche ich für einen kleinen barrierefreien Umbau eine Baugenehmigung?
Nein, nicht immer. Kleine Umbauten wie der Austausch von Armaturen, der Einbau einer Duschwanne mit flachem Übergang, das Verbreitern einer Tür (unter 1,20 m Breite) oder das Verlegen eines rutschfesten Bodens benötigen in den meisten Bundesländern keine Baugenehmigung. Sie fallen unter das Anzeigeverfahren. Wichtig: Sie müssen den Bauamt vorher informieren. Bei größeren Veränderungen - wie dem Entfernen einer Wand oder dem Umbau der Heizungsleitung - ist eine Genehmigung Pflicht. Informieren Sie sich bei Ihrem örtlichen Bauamt - die Regelungen variieren je nach Bundesland.
Wie lange dauert eine Etappe im Durchschnitt?
Die Dauer hängt vom Umfang ab. Eine kleine Etappe - wie Badezimmerarmaturen, Boden und Beleuchtung - dauert 10-14 Tage. Eine größere Etappe - wie kompletter Badezimmerumbau mit neuer Fliesenverlegung und Wasserleitung - braucht 3-6 Wochen. Wichtig: Planen Sie immer 2-4 Wochen für Genehmigungen, Lieferzeiten und unvorhergesehene Probleme ein. Der tatsächliche Bau dauert oft weniger als die Vorbereitung.
Wie vermeide ich, dass die Etappen nicht zusammenpassen?
Planen Sie alle Etappen im Vorfeld - auch wenn Sie sie später durchführen. Zeichnen Sie einen groben Plan: Wo liegen die Leitungen? Wo werden Türen geändert? Wo wird der Boden angehoben? Machen Sie Fotos von allem, was Sie ändern. Legen Sie eine Datei mit allen Rechnungen, Plänen und Handwerkerkontakten an. Sprechen Sie mit jedem neuen Handwerker: „Was wurde hier vorher gemacht?“ So vermeiden Sie, dass eine Etappe die andere zerstört. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) empfiehlt: Energetische Maßnahmen wie Dach- oder Wanddämmung sollten immer in einer Etappe erfolgen - sonst entstehen thermische Brücken.
