Ein kaputter Heizkörper, ein verstopfter Radiator oder eine defekte Pumpe - das ist oft nicht das Ergebnis von schlechter Wartung, sondern von schlechtem Heizwasser. In Deutschland verursachen Korrosion und Schlammbildung im Heizsystem jährlich über 500 Millionen Euro an Reparaturkosten. Die Ursache? Meistens ein einfacher Fehler: Das Wasser in der Heizung ist nicht richtig behandelt. Ob du eine alte Heizung modernisierst oder eine neue Anlage einbaust - die Qualität des Heizungswassers entscheidet darüber, wie lange deine Anlage hält und wie effizient sie arbeitet.
Warum Heizwasserqualität so wichtig ist
Heizungswasser ist kein normales Leitungswasser. Es fließt durch Stahlrohre, Kupferheizkörper, Aluminiumwärmetauscher und Pumpen. Jeder dieser Bauteile reagiert anders auf chemische Einflüsse. Wenn das Wasser zu hart ist, bildet sich Kalk. Wenn es zu sauer oder zu salzig ist, frisst es die Metalle an. Und wenn es Sauerstoff enthält, entsteht Rost - und der ist der größte Feind jeder Heizung. Die VDI 2035, die aktuellste Fassung aus 2020, legt genau fest, wie Heizungswasser beschaffen sein muss. Die wichtigsten Werte: Die elektrische Leitfähigkeit darf maximal 100 µS/cm betragen. Das bedeutet: Das Wasser muss fast salzfrei sein. Der pH-Wert sollte stabil bei 8,3 oder höher liegen, damit Metalle nicht angegriffen werden. Und der Sauerstoffgehalt muss so niedrig wie möglich sein. Wer das ignoriert, riskiert teure Schäden.Chemischer Korrosionsschutz: Die gängigste Lösung
Die meisten Heizungen in Deutschland werden mit chemischen Inhibitoren geschützt. Produkte wie coracon® VE 9 von AquaConcept oder thermofit von Alvido werden in geringen Mengen ins System eingebracht. Sie bilden eine unsichtbare Schutzschicht auf den Metallflächen und verhindern, dass Sauerstoff und Wasser die Rohre angreifen. Diese Lösung ist einfach und kostengünstig. Ein Handwerker gibt das Konzentrat einfach beim Befüllen der Anlage hinzu. Die meisten Hersteller wie Bosch oder Vaillant verlangen diese Behandlung sogar für die Garantie. Doch es hat einen Haken: Die Konzentration sinkt mit der Zeit. Sie muss alle 1-2 Jahre überprüft werden. Und wenn du zu wenig gibst, nützt es nichts. Zu viel kann sogar schädlich sein. Laut einer Umfrage des Verbandes der Heizungsbauer (VdH) aus 2023 ist chemischer Schutz in 68 % der neuen Anlagen die Standardlösung. Aber 18 % der Nutzer berichten, dass trotz korrekter Dosierung nach einigen Jahren Rostpartikel im System auftauchen - ein Zeichen, dass die Chemie allein nicht ausreicht.Elektrochemischer Schutz: Keine Chemie, aber höhere Kosten
Wenn du keine Chemikalien in deiner Heizung haben willst, gibt es elektrochemische Systeme wie den Elysator Trio 25.1 oder die elector-Reaktionsbehälter. Diese Geräte arbeiten mit Magnesiumanoden, die elektronisch den Sauerstoff im Wasser binden. Sie schützen kontinuierlich, ohne dass du nachdosieren musst. Der Vorteil: Keine Chemikalien, keine Kontrollen, keine Ablagerungen. Die Lebensdauer der Anlage steigt. Eine Langzeitstudie der TU München zeigte, dass Systeme mit elektrochemischem Schutz eine Korrosionsrate von 45 % niedriger haben als rein chemisch geschützte Anlagen. Der Nachteil: Die Anschaffung kostet zwischen 450 und 800 Euro. Die Installation dauert 2-3 Stunden und kostet zusätzlich 180-250 Euro. Das ist doppelt so viel wie eine chemische Behandlung. Aber viele Nutzer, besonders mit Fußbodenheizungen oder Wärmepumpen, berichten von deutlich weniger Problemen nach dem Einbau. Ein Nutzer auf Heizung-Forum.de beschrieb, wie sein 20-jähriges System nach 15 Jahren Rostproblemen endlich ruhig wurde - nachdem er den Elysator installiert hatte.
Filtration: Der unsichtbare Helfer
Chemie oder Elektrochemie schützen die Metalle - aber sie entfernen nicht den Schmutz. Partikel aus Rost, Kalk, Schweißresten oder Dichtungsmaterialien sammeln sich im System. Sie verstopfen Pumpen, blockieren Ventile und beschleunigen die Korrosion. Filtrationssysteme von Anbietern wie UWS-Technologie fangen Partikel bis zu 5 Mikrometer Größe ab. Das ist kleiner als ein menschliches Haar. Regelmäßige Filterwechsel (alle 6-12 Monate) reduzieren die Korrosionsrate um bis zu 70 %. In Kombination mit chemischem Schutz ist das die effektivste Methode. 78 % der Handwerker in der VdH-Umfrage nannten diese Kombination als zuverlässigste Lösung. Ein Nutzer namens SanitärHans berichtete auf einem Forum, dass er trotz korrekter Dosierung von thermofit nach 18 Monaten Rostpartikel fand - weil er keinen Filter hatte. Nachdem er einen einbaute, war das Problem verschwunden.Entsalzung: Gegen Kalk, aber nicht gegen Rost
Wenn dein Leitungswasser sehr hart ist (über 15 °dH), solltest du vor der Befüllung entsalzen. Systeme wie die REISSERtherm Entsalzungseinheit entfernen Kalzium und Magnesium - das verhindert Kalkablagerungen im Wärmetauscher, besonders bei Wärmepumpen oder Kondensationskesseln. Aber: Entsalzung allein schützt nicht vor Korrosion. Das entmineralisierte Wasser ist sogar aggressiver gegenüber Metallen. Deshalb muss eine Entsalzung immer mit einem Korrosionsschutz kombiniert werden - entweder chemisch oder elektrochemisch.Was Experten empfehlen: Die Kombi-Strategie
Dr. Thomas Heidemann vom Institut für Korrosionsschutz Dresden sagt klar: „Die beste Lösung ist die Kombination aus salzarmer Fahrweise und OAT-basiertem Schutz.“ Das bedeutet: Wasser mit niedriger Leitfähigkeit (≤ 100 µS/cm) + organische Säuren als Inhibitoren. Prof. Dr. Klaus Lange von der TU München ergänzt: „Elektrochemie allein ist stark, aber nicht perfekt. Wenn du zusätzlich filterst, erhöhst du die Lebensdauer deiner Anlage um Jahre.“ Die VDI 2035-Richtlinie wird bis 2026 überarbeitet - und wird voraussichtlich noch strengere Anforderungen an den Sauerstoffgehalt stellen. Wer heute eine moderne Lösung einbaut, ist schon auf der sicheren Seite.
Was du tun kannst: Praktische Schritte
- Beim Neubau oder der Sanierung: Lass das System mit einem Entsalzungssystem befüllen, dann mit einem chemischen Inhibitor behandeln und einen Feinfilter einbauen.
- Bei bestehenden Anlagen: Lass das Wasser analysieren. Die Leitfähigkeit, der pH-Wert und der Sauerstoffgehalt werden mit einem Messgerät überprüft. Wenn du mehr als 100 µS/cm hast, solltest du nachrüsten.
- Alle 2 Jahre: Lass die Konzentration des Korrosionsschutzes prüfen. Bei chemischen Lösungen ist das Pflicht.
- Alle 6-12 Monate: Wechsle den Heizungsfilter. Ein einfacher Filter kostet 50-100 Euro - das ist günstiger als ein neuer Heizkörper.
- Vermeide: Nur Leitungswasser einzufüllen. Keine Chemie. Kein Filter. Das ist wie ein Auto ohne Öl laufen zu lassen.
Was kommt als Nächstes?
Der Markt für Heizwasserbehandlung wächst. 2023 lag er bei 385 Millionen Euro - und steigt jährlich um 5,2 %. Der Trend geht klar zu chemikalienfreien Systemen. Bis 2028 sollen 35 % der neuen Anlagen elektrochemisch geschützt sein - heute sind es nur 22 %. Neue Technologien kommen: Elysator Engineering AG hat ein IoT-System mit App-Überwachung vorgestellt. AquaConcept arbeitet an coracon® VE 10, das biologisch abbaubare Polymere enthält. Forscher am Fraunhofer ISC testen nanostrukturierte Beschichtungen, die die Schutzwirkung verdoppeln könnten. Die Zukunft der Heizung ist nicht nur smarter - sie ist auch sauberer und langlebiger. Wer heute richtig macht, spart in 10 Jahren Tausende Euro.Was passiert, wenn du nichts tust?
Ein Heizsystem ohne Schutz stirbt langsam. Zuerst hört der Heizkörper auf, warm zu werden - weil Schmutz sich an den Innenseiten festsetzt. Dann beginnt die Pumpe zu rattern - weil sie mit Rostpartikeln verstopft ist. Schließlich bricht ein Rohr - weil es von innen durchgerostet ist. Die Lebensdauer einer Heizung sinkt von 25-30 Jahren auf 10-15 Jahre. Reparaturen kosten 300-1.500 Euro pro Bauteil. Und du verlierst Energie: Ein verstopfter Wärmetauscher verbraucht bis zu 20 % mehr Strom oder Gas. Es ist kein Luxus, Heizwasser zu behandeln. Es ist eine Notwendigkeit. Und es ist billiger, es richtig zu machen, als es später zu reparieren.Wie oft muss ich das Heizungswasser kontrollieren lassen?
Bei chemischem Korrosionsschutz solltest du alle 1-2 Jahre eine Kontrolle durchführen lassen. Die Konzentration des Inhibitors sinkt mit der Zeit. Bei elektrochemischen Systemen reicht eine Prüfung alle 3-5 Jahre, da sie automatisch arbeiten. Ein Filter sollte alle 6-12 Monate gewechselt werden, unabhängig von der Schutzart.
Kann ich Heizungswasser einfach mit Leitungswasser auffüllen?
Nein. Leitungswasser enthält Kalk, Sauerstoff und Mineralien, die Korrosion und Ablagerungen verursachen. Selbst wenn die Leitungshärte niedrig ist, ist das Wasser nicht für Heizungen geeignet. Immer entsalzen und mit einem Schutzmittel behandeln - sonst riskierst du Schäden.
Welcher Korrosionsschutz ist am besten für Wärmepumpen?
Wärmepumpen arbeiten mit niedrigen Temperaturen und empfindlichen Wärmetauschern. Hier ist eine Kombination aus Entsalzung (gegen Kalk) und OAT-basiertem chemischem Schutz (gegen Korrosion) am besten. Elektrochemische Systeme sind ebenfalls sehr geeignet, da sie keine Chemikalien benötigen und kontinuierlich wirken. Filtration ist bei beiden Varianten unerlässlich.
Warum ist die VDI 2035 so wichtig?
Die VDI 2035 ist die einzige verbindliche Norm in Deutschland, die die Anforderungen an Heizungswasser festlegt. Die meisten Heizungshersteller wie Bosch, Vaillant oder Viessmann verlangen die Einhaltung dieser Richtlinie für die Garantie. Wer sie ignoriert, verliert den Anspruch auf Reparaturen oder Ersatzteile - auch wenn die Anlage neu ist.
Kann ich einen Heizungsfilter selbst einbauen?
Ein einfacher Filter, der an den Rücklauf angeschlossen wird, kann von einem erfahrenen Heimwerker installiert werden - wenn du die Anleitung des Herstellers befolgst. Aber die richtige Positionierung im System ist entscheidend. Wer den Filter falsch einbaut, schützt nicht das System, sondern behindert den Wasserfluss. Bei komplexen Anlagen oder bei der Kombination mit chemischen oder elektrochemischen Systemen solltest du immer einen Fachmann hinzuziehen.

Kommentare (1)
Marcel Menk
Januar 7, 2026 AT 02:39Ich hab neulich nen Heizungs-Techniker gefragt, warum die immer so viel Geld verlangen... der hat gesagt: "Weil die Leute ihr Wasser einfach aus dem Hahn nehmen und dann wundern, warum die Pumpe nach 5 Jahren wie ein Geist schreit." 🤡💧
Und jetzt kommen die mit "elektrochemischem Schutz" - also sowas wie ein Tesla für deine Heizung? Ich glaub, die Industrie will uns nur noch mehr Geld abknöpfen. Wer hat denn noch 800€ für nen Magnesium-Stick im Keller? 🤔